Die Niederlage der Preußen bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806 besiegelte den Niedergang der vormals mächtigen Armee Friedrichs des Großen, ausgelöst durch die in der französischen Revolution entstandene Armee Napoleons. Die Familie des Königs verließ fluchtartig Berlin, um dem im Eiltempo dorthin ziehenden Franzosenkaiser zu entrinnen. Königsberg in Ostpreussen wurde für rund drei Jahre das Exil. Währenddessen diktierte der Korse, der auch den russischen Zaren für seine Pläne gewinnen konnte, die Friedensregelungen. Diese hatten das Ziel, Frankreich zur führenden Kraft in Europa werden zu lassen, England in seiner Inselposition festzusetzen und Preußen wie Österreich nur noch als schwache Partner bei der angestrebten Neuordnung Europas wirken zu lassen. Preußen selbst wurde um rund 50% seiner Fläche verringert, große Teile der Bevölkerung gerieten außerhalb der preußischen Grenzen und wurden Bürger umliegender, z.T. völlig neu gegründeter (und von Mitgliedern des Familienclans Bonapartes geführter) Staaten. Der Frieden von Tilsit führte schließlich - trotz der sicherlich intensiven wie ebenso erfolglosen Mühen der Königin Luise um Milderung der Bedingungen Napoleons - faktisch den Fast-Zusammenbruch Preußens nach nur hundert Jahren seines Bestehens.
Erst Ende 1809 zeigte sich Frankreich bereit zur Rückkehr des Königspaares nach Berlin. Der Einzug der gesamten Familie gestaltete sich zu einem Triumph besonders für die zu einer vaterländischen Vorbildfigur entwickelte Luise. Sie stand im Mittelpunkt, als am 23. Dezember der Magistrat von Berlin in Weißensee ein Frühstück vorbereitet hatte und anschließend der Königin - nicht dem Hohenzollern Friedrich Wilhelm III, sondern der mecklenburgischen Prinzessin - eine Galakutsche übereigneten. Dieser Vorgang wird seit fast hundert Jahren immer wieder ausgebreitet und auch heute noch als Beweis für die Liebe des Volkes zu seiner Königin gewertet. Die damaligen Zeitungen berichteten darüber natürlich auch ausführlich, über die Ausstattung des Gefährts und über die Personen, die an der Herstellung beteiligt gewesen waren.
Über lange Zeit wurde gerätselt über die Kosten, die dafür aufzuwenden waren, mehr aber noch über die Quellen, die es dem durch die Besatzung, die hohe Kriegskontribution und die kräftige Reduzierung seiner Leistungskraft verarmten Lande ermöglichen konnten, ein so königliches Geschenk zu finanzieren. Erst viele Jahre später kam es ans Licht, als im August 1907 die BERLINER NEUESTEN NACHRICHTEN meldeten, was der Berliner Stadtarchivar Dr. Clauswitz herausgefunden hatte: Die Aufwendungen für den Kutschwagen (3303 Taler), dazu die Montur für Kutscher und Reitknecht (51 Taler) und das silberbeschlagene Pferdegeschirr (mit 2794 Taler) wurden, ebenso wie die Zahlung von 50 Taler an den berühmten Schinkel, der die Karosse entworfen hatte und die Kosten für das der Königin überreichte Gedicht (allein das Blatt dafür war mit 58 Talern abgerechnet worden), wurden aus einem Titel gedeckt, der eigentlich 1806 aus einer rund 10000 Taler umfassenden Sammlung der Berliner stammte, mit der die Armee bei ihrem Feldzug gegen Frankreich mit neuen warmen Mänteln und Überknöpfhosen ausgestattet werden sollte. Das Ergebnis der Schlacht nun hatte diesen Zweck entfallen lassen, und so war das Geld, das offenbar alle Kriegsereignisse hatte überstehen können, vorerst auf einer Warteposition gelandet. Nun jedoch konnte mit Zustimmung des Oberpräsidenten aus Hosen und Mänteln eine veritable Kutsche werden. Mehr noch, das an diesem Tage in dem schönen Haus an Weißen See gereichte Frühstück wurde ebenfalls aus diesem Fonds finanziert. Kutsche und Frühstück also statt kriegerischer Monturen.
Man sieht, früher war eben doch vieles besser.